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Südafrika 4:
Von Hermanus aus die Garden Route entlang …

2. Juli 2010 | Von | Rubrik: Südafrika 4
Weißer Hai

Nachdem die Probanden im Käfig Platz genommen haben und untergetaucht sind, kommt der weiße Hai vorbei - sichtlich gelangweilt, er ist wohl satt.

WEITER RICHTUNG GARDEN ROUTE – Nachdem Stellenbosch und das Weinland erforscht waren, ging es weiter in Richtung der berühmten Garden Route, die sich von Hermanus bis Port Elizabeth erstreckt. Gleich ein klares Statement: Schon Hermanus ist eine Reise wert, allein schon wegen der Gastfreundlichkeit im Schulphoek Seafront Guesthouse. Wer hier übernachtet, macht sicher alles richtig. Das 5-Sterne-Guesthouse liegt direkt am Meer und etwa von Juli bis November, Anfang Dezember, können Sie hier vom Frühstückstisch aus direkt die Wale in der Bucht beobachten. Man sieht und spürt, dass das Haus von Frauenhand eingerichtet wurde. Wie, ist schwer zu beschrieben, vielleicht am ehesten noch mit „kalifornischem Landhausstil“. Die Eigentümer Petro und Mannes verwöhnen ihre Gäste vorbildlich, der Herr des Hauses herrscht über 12.000 Flaschen Wein, die göttliche Köchin heißt Rebecca, und was sie uns servierte, war Küchensterne wert. Es fiel uns wirklich schwer, die Weiterreise anzutreten …

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Raue See vor Afrika, direkt vom Bett aus zu sehen. Der Wind reißt Nebelwolken aus der Gischt, Schaum steht auf den Wellenkämmen, das riecht nach Windstärke 7 aufwärts (so die Einschätzung einer Landratte).

Shark diving gefällig?

Sie führte über Gansbaai – mit Zwischenstopp zwecks Shark Cage Diving, das noch im Antlantik stattfindet – ein gutes Stück weiter nach Mossel Bay, das schon am Indischen Ozean gelegen ist. Dazwischen liegt Kap Agulhas, das Bartolomeu Diaz, ein portugiesischer Seefahrer, als erster auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien schon 1488 umschiffte und bemerkte, dass ab hier das Meer ruhiger und langsam auch wärmer wird: Diaz hatte den südlichsten Punkt von Afrika entdeckt, der rund 50 km südlicher gelegen ist als das Kap der Guten Hoffnung, und er entdeckte auch den Indischen Ozean, der hier den Atlantischen ablöst.

Auto kaputt in Mossel Bay

„Love makes our house a home“ steht auf der Fußmatte unserer nächsten Unterkunft, dem African Oceans Manor on the Bay, geschrieben, und so war es denn auch. In Mossel Bay machte unserer Leihwagen schlapp, der Halter des Kofferraumdeckels war gebrochen, ein Ermüdungsbruch, kein Gewaltakt. Zum Glück passierte es beim Ausladen in der Garage des African Oceans. Deshalb war alles kein Problem, ein Telefonat reichte aus, um den Schaden zu beheben – am nächsten Morgen wurde uns ein neuer Leihwagen ins Hotel gebracht und der alte abgeholt. Unterstützt wurde die Aktion vom freundlichen Johan im African Oceans, der dem Autoverleiher in Afrikaans die Sachlage in zwei Sätzen erklärte, wofür wir uns herzlich bedanken. Es sind doch immer wieder die Menschen, die die Qualität einer Einrichtung ausmachen, sei es Hotel, Guesthouse, Versicherung oder Bank (das sind die, denen man gerne nachsagt, dass sie bei Sonnenschirm Regenschirme verleihen, die sie dann bei Regen wieder zurückhaben wollen – hier könnte ich auch von positiven Erfahrungen berichten, aber das ist eine andere Geschichte). Auf dem Nachttisch lag übrigens Siegfried Lenz‘ Schweigeminute, eine Liebesgeschichte. Ich habe sie verschlungen, wäre vermutlich auf einem deutschen Hotelnachttisch nicht drauf gestoßen.

Erholung im Kingfisher Restaurant

Kingfisher

Können wir guten Gewissens in Mossel Bay empfehlen: Kingfisher

Da wir gerade beim Sinnlichen sind: Essen waren wir in Mossel Bay im King Fisher Seafood Restaurant, das wir uneingeschränkt empfehlen können. Als Vorspeise teilten wir zwei uns ein Tuna Sashimi, also rohen Thunfisch mit Wasabi – grünem japanischem Meerrettich – und Sojasoße, danach gab’s Butterfisch (ein sehr leckerer Tiefseefisch) mit Salat und Chips, dazu einen halben Liter Mineralwasser (sparkling) und eine Flasche Chardonnay, für 2 Personen alles zusammen 25 Euro, ca. 10 Prozent Trinkgeld extra. Nachtisch mussten wir dankend ablehnen, er passte einfach nicht mehr in den gefüllten Magen.

Knysna ist ein Traum

Weiter ging‘s Richtung Knysna (gesprochen Neisna). Der Name soll „Platz mit Holz“ bedeuten, und davon gibt es jede Menge hier – und Wasser und Lagunen. Wir fahren durch eine Landschaft, die streckenweise so aussieht wie man sich Kanada oder, wenn die Weite abnimmt, den Schwarzwald zu seinen besten Zeiten vorstellt, allerdings angereichert mit – leider nur noch ganz wenigen – Waldelefanten.

Knysna wurde als beliebteste Kleinstadt Afrikas ausgewählt und als eines der Top 100 Reiseziele der Welt bei den „Tripadvisor Travellers‘ Choice Destinations Awards“. Das kann ich leicht nachvollziehen: Knysna ist charmant und liebenswert, zudem als Stadt der kulinarischen Genüsse bekannt und bietet ferner eine hochwertige medizinische Versorgung und eine gute Anbindung an die Welt durch den Flughafen von George. Das Wetter ist ganzjährig perfekt, die Umgebung ein Naturparadies mit zahlreichen Wanderwegen und zusätzlich können Sie Wale beim Kalben beobachten, etwa von Juni bis November.

Endlich kommen wir nach 100 km Fahrt im Knysna River Club an, einer Selbstverpflegerunterkunft mit zumeist rustikalem Blockhauscharme. Hier ist es ganz entscheidend, in welchem Blockhaus Sie unterkommen, wenn Sie den gleichen Eindruck mit nach Hause nehmen wollen wie wir. Wir haben es uns im Haus Nummer 1 gemütlich gemacht, direkt vorne am Wasser, ganz modern eingerichtet, weiß gekalkte Holzwände, sehr gelungen. Es ist das Honeymoon Chalet, das wir wärmstens empfehlen können. Die Chalets haben alle eine Küche und einen Holzkohlegrill auf der Terrasse, Holzkohle und Lebensmittel gibt’s im Kwikspar gleich oben rechts an der Ampel. Der Knsyna River Club ist sehr beliebt und war bei unserem Besuch trotz Nebensaison fast ausgebucht.

34 South

Tolle Stimmung und tolles Essen im 34 South, hier werden Sie nicht nur satt, sondern wollen gar nicht mehr weg ...

Für alle, die es in Knysna etwas moderner und fast direkt am beliebten Quai, der Waterfront, gelegen haben möchten, ist das Rex eine Alternative: sehr modern, sehr stylish, sehr bezahlbar. Verpflegungsmäßig werden Sie am Quai sicherlich im 34 South glücklich: Seafood, auch mediterran, Pastrami-Sandwiches, mexikanische Küche mit köstlich überbackenen Nachos, natürlich Fleisch, wirklich gute Cocktails, zum Beispiel vorzügliche gefrorene Margarita, und die sind schwer zu finden, da oft lieblos und unwissend zusammengepanscht, nicht hier, und Leffe Bier aus Belgien. Die Karte bietet eine extrem reichhaltige Auswahl, und das, was in solchen Situationen oft passiert, dass nämlich alles da, aber alles auch wirklich gewöhnlich und nichts Besonders ist, das müssen Sie hier nicht erleben. Sie werden zufrieden sein, wir waren es jedenfalls im höchsten Maße und viele Reiseführer versprechen das Gleiche – diesmal können wir es bestätigen. Und auch das Drydock bietet wunderbare Fischgerichte, speziell ist Knysna für seine Austern bekannt. Zum Frühstücken empfiehlt sich das Ile de Pain Bread & Café oder dessen kleine Schwester, das Mon petit pain. Beide sollen einem Professor aus New York gehören, sagt man. Andere Zungen geben an, die Lokalitäten gehörten einem Bäcker aus Österreich, Markus Farbinger, der zuvor Küchenchef beim CIA in New York gewesen soll. In Wirklichkeit ist von allem etwas richtig, Markus Farbinger war „Professor and Team Leader for Curriculum and Instruction in Baking Pastry Arts, The Culinary Institute of America“, womit die Sache mit New York und auch die mit dem CIA stimmt. Sicher ist: Er hat einen guten Geschmack und versteht es, ihn umzusetzen. Daumen hoch!

„Plett“ ist in

Fynbos Ridge Country House and Cottages

Hier können Sie so richtig entspannen, die Hektik des Alltags lassen Sie dabei in sicherer Entfernung zurück.

Als nächstes geht’s nach Plettenberg Bay, oder auch nur Plett, wie die abkürzungsverliebten Südafrikaner nennen. Soeben sind wir im Fynbos Ridge Country House and Cottages angekommen, hier durften wir wieder einmal eine ganz andere Welt erleben. Altes holländisches Landhaus, so der erste Eindruck. Stimmt aber gar nicht, das Haupthaus ist erst zehn Jahre alt, aber es ist liebevoll in alter Tradition erbaut, deren gestalterischen Aufwand man sich heute bei Neubauten aus Kostengründen gerne spart – und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Blumen wohin das Auge reicht, im Kontrast zum alten Haus modernste stylishe Bäder, eine Umgebung, in der ich mich spontan sehr wohl gefühlt habe. Meine Frau auch, auf Anhieb, und das will was heißen. Sie war richtig begeistert. Zum Pool gelangt man über einen schmalen Weg durch mannshohe Büsche (Fynbos ist der niederländische Name für kleine, feingliedrige Büsche), riesengroße Erikavarianten, der Weg darunter gemulcht, man geht, als würde man schweben. Von Fynbos Ridge aus gibt es zwei Wanderwege, der eine, 20 Minuten lang, für schnell mal zwischendurch, der andere hinab ins Tal, 20 Minuten runter, 45 Minuten hoch. Die ganze Anlage ist äußerst liebevoll gepflegt, hier kann man die Seele baumeln lassen, ohne irgendein Animationsprogramm eines Hotelresorts fürchten zu müssen. Von der Straße aus leicht zu erreichen, 7 km vor Plett. Aber dennoch weit genug entfernt, um absolut ruhig gelegen zu sein, so dass nur das Plätschern der zahlreichen Brunnen das Ohr und das Hirn und die Seele beruhigt. Hier bei Liz & Brian Phillips werden Sie sich wohlfühlen, wenn Sie die Hektik abschütteln wollen. Neben den Zimmern gibt es einzelne Cottages, ca. 140 m2 groß mit 2 Schlafzimmern, die gerne auch von nur 2 Personen belegt werden. Abendessen kann man bestellen und sich in seinem Haus servieren lassen, privater geht’s nicht. Wir waren traurig, als wir wieder von dannen zogen.

Vom Milkwood Manor – direkt in Plett – ist nicht mehr viel übrig, verglichen mit früher. Dem Eigentümer widerfuhr ein herbes Schicksal. Nach heftigen Regenfällen verlor er einen Großteil seines Grundstücks. Das Anwesen, das früher entspannt an der abgeschlossenen Lagune lag, grenzt heute direkt an einen Kanal, der nach dem gewaltigen Naturereignis entstand. Tonnen von Steinen mussten aufgeschüttet werden, um das Haus abzusichern, jetzt können die Gäste ihr Frühstück direkt am Meer genießen. Angenehme Überraschung am nächsten Morgen: Irgendein ein Heinzelmännchen hatte die Scheiben unseres Leihwagens spiegelblank gewienert.
Über Plett ließe sich noch eine Menge erzählen, wir wurden hier aufgenommen wie Familienmitglieder, zum Beispiel im Old Post Office im Upper Deck Lifestyle Center, dem Saint-Tropez der Garden Route, wie es sich selbst nennt, wo wir bei einer Weinprobe für knapp 20 Euro den siebten kulinarischen Himmel auf Erden fanden: 6-Gänge-Menü incl. Weinverkostung mit 8 (!) Weinen, und wenn man nicht mit einem „Stopp“ schnell Einhalt gebot, gab es jeweils mehr als 0,2 Liter köstlichster Weine pro Gang. Das hätte niemand überlebt. Da hieß es nur: Vorsicht, Glas zuhalten, sonst wird sofort nachgefüllt. Aber nicht nur Speis und Trank waren köstlich, vor allem die herzliche Aufnahme durch die Menschen machte den gelungenen Abend aus.

Urwald hinter Plettenberg Bay: Tsitsikamma

Tsitsikamma

Hier macht Wandern Spaß, aber Vorsicht vor wilden Tieren (Schlangen zum Beispiel).

Streckenweise hat meine Frau die Landschaft und ihre Küste mit Südfrankreich verglichen. Sie sehen, es geht recht europäisch zu hier unten an der Südspitze von Afrika und drum herum. Aber gleich um die Ecke ist auch der Urwald zu Hause: Auf dem Weg nach Cape St. Francis, unserem nächsten Ziel, bot es sich an, im Tsitsikamma Nationalpark einige Strecken abzuwandern. Es ist herrlich da, Urwald am Wasser, Gischt, eine Hängebrücke und moderate Gipfel zum Stürmen. Ein Besuch lohnt sich, planen Sie mindestens einen halben Tag (gerne auch zwei ganze Tage) ein, auch wenn Sie wenig Zeit haben. Bei dieser Gelegenheit können Sie sich auch schnell noch den weltweit höchsten kommerziellen Bungeesprung von der „Bloukrans bridge“, der mit 216 m höchsten Einbogenbrücke der Welt, absolvieren, wenn Ihnen danach ist.

Ankunft in St. Francis

Wie rau hier die See sein kann, können Sie im Internet unter www.doctors-choice.de sehen. Beeindruckend hoch, beeindruckend beständig. Hier haben wir uns wieder einmal für eine Selbstverpflegerunterkunft entschieden, das Beach Break Cape St. Francis, eine 5-Sterne-Luxus-Anlage direkt am Meer. Frühstück wird trotzdem serviert im großen Gemeinschaftsraum mit Küche im Erdgeschoss des Hauses, neben dem Pool. Wir hatten vom Bett aus einen phantastischen Blick direkt aufs Wasser, fühlten uns pudelwohl und gut aufgehoben. Eine Fahrt auf dem Fluss sollten sie unbedingt einplanen. Ganz in der Nähe erkundeten wir auch eine Pinguin-Reha-Station, die sich um kranke und verletzte Tiere kümmert. Einem Pinguin – Lorna – gefiel es dort so gut, dass er nach seiner Freilassung, die auf seine Genesung folgte, schnurstracks wieder zurückkam und gar nicht mehr in der freien Natur selbst auf Nahrungssuche gehen wollte. Sind eben auch nur Menschen, die Pinguine. Wo es ihnen gutgeht, wollen sie bleiben. Wir auch.

Tierleben in Afrika

Übrigens: Im Tsitsikamma Nationalpark wäre ich beinahe auf eine Schlange getreten. Bin ich aber nicht, ich habe sie statt dessen fotografiert. Ob sie giftig war, erfahren Sie im nächsten Teil unserer Serie. Thema: Das Tierleben von Südafrika, Safari hautnah.

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