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Südafrika 1:
Luxus und Lebenslust in Pretoria

25. Oktober 2009 | Von Ko | Rubrik: Südafrika 1
Illyria House

Das Illyria eignet sich für einen luxuriösen Einstieg in einen Südafrikaurlaub.

PRETORIA – Heute Nacht um 4 Uhr – manche sagen auch Morgen dazu – rüttelt es sanft an meiner Schulter und meine Liebste säuselt: „Du, ich habe Reisefieber.“ Dann dreht sie sich um und schläft wieder ein, ich dagegen liege von da an wach. Dabei geht der Flieger erst um dreiviertelneun – abends. Dieser Tag fängt ja gut an. Heute soll es also nach Johannesburg gehen. Meine Frau freut sich vor allem auf die Pinguine, die leben aber in der Nähe von Kapstadt. Zuvor werden wir deshalb zwei Tage gemütlich mit dem Rovos Rail gen Südwesten rollen und anschließend mit dem Mietwagen von Kapstadt aus zuerst die Pinguine und das Kap der Guten Hoffnung erkunden und danach über Stellenbosch die Garden Route entlangfahren, zwei Safari Lodges besuchen und fast vier Wochen später von Port Elizabeth aus wieder nach Hause fliegen. So weit unser Programm.

Reisen ist etwas Wunderbares: Wir werden heute im Frühling in ein Flugzeug steigen, gut 10 Stunden fliegen und sodann ohne Zeitverschiebung mitten im Herbst landen. Den Heuschnupfen packen wir dabei nicht ein, der bleibt zurück. Aber nicht nur die Jahreszeit ändert sich, auch die Kultur, die Menschen, letztlich alles, was Leben ausmacht. Faszinierend. Jetzt schlafe ich aber erst noch mal zwei, drei Stunden bis zum Frühstück …

… und fange zu träumen an: Bei Südafrika sind es ja auch Fantasien, die Wirklichkeit werden wollen. Ich habe von jedem Land, das ich neu bereise, Ballast im Gepäck. Vorabinformationen, die ich mir teils gewollt, teils ungewollt eingefangen habe. Und dieses Kopfgepäck ist im Fall von Südafrika durchwachsen und belastend. Es sind Bilder von unglaublicher landschaftlicher Schönheit und zugleich solche von hässlicher Gewalt. Nun also soll alles real werden, sich die Fantasie der Wirklichkeit stellen. Ich denke an Szenen, in denen sich Autofahrer bei einer Reifenpanne angeblich nicht aus dem Auto trauen, mir geht die Empfehlung durch den Kopf, beim Halten an der Ampel in Johannesburg die Zentralverriegelung geschlossen zu halten. Ich denke aber auch an die immer wieder vorgetragene Behauptung, Kapstadt sei mit Abstand die schönste Stadt der Welt und die südafrikanischen Tiersafaris seien so umwerfend, dass sie lebenslang in Erinnerung blieben. Jetzt also darf dieses Land meinen persönlichen Lackmustest als Urlaubsland bestehen – oder auch nicht. Los geht’s, ich halte es vor Neugier kaum noch aus.

Ankunft in Johannesburg

Es ist 7.15 Uhr morgens in Johannesburg, wir sind gerade gelandet, etwas früher als geplant bei superpünktlichem Start. Die Einreiseprozedur dauerte incl. Gepäckabholung nur eine halbe Stunde. Sehr angenehm dabei: Das „Temporary Residence Permit“ gibt es kostenlos, und entgegen der sonst üblichen Praxis müssen zudem keine Einreiseformulare ausgefüllt werden, was mir persönlich sehr gut gefällt. Es ist so früh an einem Morgen Ende Mai mit 6 Grad Celsius empfindlich kühl (Johannesburg liegt – obwohl die Umgebung eben aussieht – über 1 700 Meter hoch), doch im Laufe des Tages wird es noch richtig heiß werden.

Kollege mit Diamantenmine

Am Ausgang des Flughafens erwartet uns schon unser Fahrer. Wir fahren zum Illyria House in Pretoria, einem 5-Sterne-Boutique-Hotel, beginnen also mit der Luxusvariante, die oft auch als Höhepunkt einer Afrikareise dargestellt wird. Das Illyria House wurde 1940 von dem Arzt Dr. Ockert Vermeulen errichtet. Dem dynamischen Kollegen gehörten u.a. auch Diamantenminen, was seinen Reichtum erklären könnte. Sein Ehefrau Adelaide saß zu dieser Zeit gerne in der Halle und ging ihrem Hobby nach, das da war: Diamanten sortieren.

Das Illyria House hat dem Gast viel zu bieten.

Das Illyria House hat dem Gast viel zu bieten: Gutes Essen, ein Bad im Pool und zum Abschied ein Ständchen ...

Auch heute noch ist es wirklich Luxus pur, der uns hier erwartet. Inzwischen ist Marietjie van der Walt die gute Seele des Hauses, sie ließ es sich auch nicht nehmen, uns persönlich auf unseren Ausflügen zu begleiten. Und als ich ihr mein Leid klagte, dass ich seit 30 Jahren ohne Erfolg* versuche, das Kreuz des Südens zu sehen, bat sie für den Abend spontan einen Astronomen zu einem Vortrag über den Sternenhimmel. Und so sah ich noch am selben Tag das ersehnte Kreuz über dem Illyria House – ich werde diesen Augenblick nie vergessen. Marietjie hat noch mehr für uns getan, so beglückte sie uns mit einem persönlichen Klavierspieler, der uns den nächsten Abend in der Prunkhalle des Hotels verzauberte. Apropos Marietjie: In Südafrika spricht man sich mit den Vornamen an. Die Nähe, die dabei entsteht, ist nicht aufdringlich, ich empfand sie als Door opener zum persönlichen Kontakt.

All dieses Glück haben im Illyria House auch schon andere erlebt: Nelson Mandela war hier zu Gast und jede Menge blaues Blut, wie sich im Gästebuch nachlesen lässt. Für dieses Fleckchen im Kolonialstil empfehlen sich zwei bis drei Tage, einer zum Ankommen, einer für ein wirklich gemütliches Picknick im Kolonialstil (siehe Video) nach einer Besichtigungskulturtour sowie ein Shoppingtag bei Einheimischen mit Besuch eines Townships (das Illyria House unterstützt dort einen Kindergarten). Das Hotel eignet sich als Auftakt einer Krügerparksafari, als Einstieg in das Land oder wie bei uns zur Einstimmung auf Rovos Rail. Um sich im Illyria House wohl zu fühlen, muss man natürlich den Kolonialstil mit seinem ganzen Prunk und den überladenen Elementen lieben, bei uns hat es gepasst: Der Empfang war optimal, die Menschen herzlich, das Essen auf der Sonnenterrasse oder im Prunksaal ein Traum.

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Picknick bei Sammy Marks nahe Pretoria: Das Leben kann so schön sein …

Wir haben die Tage in Pretoria ausgiebig genutzt, um den Freedom Park zu besichtigen, dessen Errichtung von Nelson Mandela zur Versöhnung und als Symbol der Menschlichkeit initiiert wurde. Weiter ging es zum Voortrekker Monument, einer Wallfahrtsstätte der weißen Südafrikaner. Nächster Höhepunkt des Tages war die Besichtigung des wunderbar erhaltenen Melrose House, eine Offenbarung, was den Einblick in das koloniale Leben der viktorianischen Weißen anbelangt. Hier wurde 1902 der Friedensvertrag unterzeichnet, der den Burenkrieg beendete. Anschießend ging es zum Picknick zu Sammy Marks, unbedingt empfehlenswert, ca. 15 bis 20 Minuten Fahrt von Pretoria entfernt. Das alte Kolonialhaus (98 Prozent aller Exponate sind authentisch) gehörte – so die Kurzfassung – einem südafrikanischen Krupp-Pendant. Eine Besonderheit am Rande: In diesem Museum soll es spuken, Kinder sehen nachts einen alten Mann auf seinem Sterbebett liegen, Türen schlagen zu, eine Schranktüre öffnet sich und hinterher gibt’s Wein in geselliger Runde an speziell zu buchenden Geisterabenden. Wunderschön und gar nicht gruselig war das bereits erwähnte dort angebotene Picknick im Freien, total entspannend und so ganz anders als alles, was normalerweise angeboten wird. Morgen wollen wir noch das Township Soshanguve besichtigen und eine Sangoma kennenlernen, eine weise Medizinfrau der Afrikaner, die Kontakt zur Geisterwelt der Verstorbenen hat (wir haben sie leider trotz Terminvereinbarung nicht angetroffen, sie war bei einem dringenden Hausbesuch). Aber einen jungen „Kräuterdoktor“ aus Zimbabwe haben wir kennengelernt, der alle Leiden mit demselben hellbraunen Saft aus einer Colaflasche behandelt …

Sie sehen: Hier wurde es uns nicht langweilig, dennoch mussten auch wir schließlich Pretoria den Rücken kehren, weiter ging‘s mit dem Rovos Rail von Pretoria nach Kapstadt.

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Der Abschied vom Illyria House wurde uns mit einem Ständchen nicht leichter gemacht …
PS: Die Kusshand kommt von Marietjie.

Bitte hier weiterlesen …

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* Seit 30 Jahren versuchte ich das Kreuz des Südens einwandfrei zu identifizieren, und immer wieder kam etwas dazwischen: In Brasilien war im ganzen Land keine Sternenkarte aufzutreiben, in Australien war der Himmel sternenklar, aber kein Mensch wusste Bescheid, wo über Ayers Rock das Kreuz des Südens zu finden war. Zu anderen Gelegenheiten war die Lichtverschmutzung zu stark, weil sie den Sternenhimmel überstrahlte, oder es waren schlicht zu viele Wolken am Himmel oder ich hatte – ausnahmsweise oder frustriert – nicht daran gedacht zu suchen. In Südafrika also wurde mein Traum endlich wahr und mein Trauma geheilt. zurück

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