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Subjektive Eindrücke eines Kurzausflugs in die Vergangenheit der Menschheit

9. März 2009 | Von | Rubrik: Nordafrika
Im Vordergrund der Sphynx (viele sagen sie, ist aber wirklich ein er), der Sphinx, ein Löwe mit Menschenkopf, 20 m hoch, 6 m breit, 73,5 m lang, aus dem gewachsenen Felsgrund gehauen. Weil dabei unterschiedliche Gesteinsschichten vorgefunden wurden, ist die Figur unterschiedlich verwittert. Das ist auch der Grund, warum sie etwas zu lang ist (proportional zum Kopf gesehen). Wäre der Sphinx kürzer, hätte man sein Hinterteil nicht ordentlich herausarbeiten können – ein Gesteinsriss durch den dünnsten Teil des Rumpfs hätte das verhindert.

Im Vordergrund der Sphinx (viele sagen sie, ist aber wirklich ein Er), ein Löwe mit Menschenkopf, 20 m hoch, 6 m breit, 73,5 m lang, aus dem gewachsenen Felsgrund gehauen. Weil dabei unterschiedliche Gesteinsschichten vorgefunden wurden, ist die Figur unterschiedlich verwittert. Das ist auch der Grund, warum sie etwas zu lang ist (proportional zum Kopf gesehen). Wäre der Sphinx kürzer, hätte man sein Hinterteil nicht ordentlich herausarbeiten können – ein Gesteinsriss durch den dünnsten Teil des Rumpfs hätte das verhindert.

KAIRO – Am vorletzten November-Wochenende musste ich einfach mal raus aus dem Trott, genauer: Schon eine Woche früher hatte es mich gepackt, da hatte mir das Internet verraten, dass die Lufthansa bereit war, ihren Kunden ein Schnäppchen anzudienen: FRA-CAI-FRA für 238 € plus 15 € Ticket Service Charge. Na wunderbar, habe ich mir da gesagt – und los ging’s am darauf folgenden Freitag um 9.25 Uhr ab Frankfurt Richtung Kairo.

Schnell noch die Frau überzeugt und das Hotel dazu gebucht, günstige gibt’s im Internet zum Beispiel bei HRS, aber auch klassische Reiseanbieter liefern nackte Zimmer ohne Flug auch für nur ein bis zwei Tage ohne Probleme online. Geht ganz einfach, wir haben trotzdem aus Zeitgründen ein Reisebüro eingeschaltet und sind im Le Meridien Pyramids für 150 Dollar (nicht Euro) pro Nacht und Doppelzimmer – Frühstück extra – fündig geworden. Wenn Sie etwas früher buchen, finden Sie dieses Hotel auch günstiger im Internet. Wirklich erstaunlich, wie variabel das Preisangebot ist. Wir hatten letztlich Pyramidenblick – laut Rack-rate* sollte das Doppelzimmer 240 Dollar plus Steuer und Gebühren kosten, was zeigt, dass die im Schrank ausgehängten Preise definitiv keine Endpreise sind. Keine Ahnung, wie viele Touristen diesen Preis tatsächlich bezahlen, alle wollen schließlich überleben …

Was erwartet Sie in diesem Bericht?

Wie viele Steine in den Pyramiden verbaut wurden, können Sie in jedem Reiseführer nachlesen, hier lesen Sie’s – bei den Abbildungen – trotzdem, aber zusätzlich auch, wie kurzfristig man mit welchem Aufwand und zu welchen Kosten solch einen „Stättentrip“ planen kann, was dabei zu beachten ist, welchen Menschen wir begegnet sind und ob es sich für uns gelohnt hat. Und natürlich erfahren Sie auch so kleine Details wie dieses hier, nämlich dass Sie im Flieger nach Kairo links sitzen sollten, wenn Sie bei Landeanflug einen Blick auf die Pyramiden erhaschen wollen. Zu der Idee, die Pyramiden in nur einem (vollen Sams-)Tag an einem (verlängerten) Wochenende von Freitag bis Sonntag besichtigen zu wollen, lässt sich im Nachhinein sagen: Die Zeit war knapp, aber wenn man sich auf die Pyramiden beschränkt, reicht sie aus. Wer noch ins Museum will, muss sich sputen. Das war uns vor vornherein klar, also haben wir bewusst darauf verzichtet, Banausentum hin oder her, man kann nicht alles haben, weniger kann auch mal mehr sein.

Landeanflug auf Kairo

Wer links sitzt, kann schon beim Landeanflug die Pyramiden sehen: Cheops, Chephren und Mykerinos (auch Menkaure genannt). Sagte ich Ihnen zwar bereits, aber mir vorher niemand. Da wir – meine Frau und ich – also rechts saßen und alle auf der linken Seite wie gebannt aus dem Fenster schauten, nachdem der Pilot darauf hingewiesen hatte, glauben wir, diese Empfehlung guten Gewissens weitergeben zu können. Selber gesehen haben wir nämlich absolut nix, denn wir waren zu diesem Zeitpunkt schon angeschnallt und festgezurrt und durften nicht aufstehen. Vor dem Rückflug fragten wir deshalb sicherheitshalber nach, wo wir uns am besten hinsetzen sollten. Der Ratschlag: Wieder links, es gäbe nur einen Weg raus aus und rein nach Kairo, und der würde auf gleiche Weise an den Pyramiden vorbei führen.** Mit einer Einschränkung: Manche Piloten würden diesen Panoramaflug nicht mitnehmen und direkt durchstarten, was immer das bedeuten mag (wo es doch nur eine Route gibt). Fakt war: Der Flieger startete sonntags zum Rückflug – ich nehme das jetzt schon mal vorweg – mit einer Stunde Verspätung kurz nach 17.00 Uhr ägyptischer Zeit. Es war daher schon diesig, links war nichts zu sehen außer Kairo-Vorort, und schon bald waren über den Wolken – wieder ein Satz mit X. Das wird Ihnen also schon mal nicht passieren, zumindest auf dem Hinflug …

Hurra, wir sind da

Ankunft also pünktlich 13.35 Uhr plus eine Stunde Zeitunterschied. 40 Minuten später waren wir schon wieder raus aus dem Flughafen, eine weitere Stunde und 44 Kilometer später Ankunft in unserem Hotel bei den Pyramiden. Wir hatten Glück, es war Freitag gleich Feiertag gleich Straßen leer. Samstag sei auch Feiertag, Sonntags ohnehin Feiertag, der Rest der Woche wird aber gearbeitet, so der Taxifahrer, der uns – kaum dass wir die Passkontrolle passiert hatten – als seine Kundschaft ausgewählt hat. Doch dazu kommen wir gleich.

Kurz zurück zu unserer Ankunft: Menschenmassen erwarten uns am Flughafen, nicht direkt uns, aber viele andere, auf jeden Fall waren sie da und kamen uns entgegen, als wollten sie rufen: Willkommen im Bakschischland.

Trick 17

Als Erstes fällt uns ein älterer Mann auf, der sich mit einem Rollstuhl vom Flieger hat abholen lassen und uns gerade scharf angeschnitten rechts überholt. Dann dürfen wir staunen: Plötzlich springt er behände von seinem Transportgefährt auf, drängt sich mit aller Wucht vor uns und stürzt zum Bankschalter, an dem wir gerade Geld wechseln wollten, um seinerseits dort zwei „Briefmarken“ zu erwerben. Wir schalten schnell, diese Attacke hat ihr Gutes, die beiden „Briefmarken“ klebt er nämlich in seinen Pass – das müssen die Visamärkchen sein, die pro Nase 15 US$ kosten sollen, schießt es uns durch den Kopf, die brauchen wir auch. Wir gehen also als Nächste an den Schalter, wechseln Geld, erwerben die Marken, kleben sie in unsere Pässe und werden nicht wie einige andere Touris wg. fehlender Märkchen an der eigentlichen Passkontrolle wieder zurückgepfiffen. Doch nicht getrödelt, gerade drängt sich unser Rollstuhlraser in Windeseile zur Passkontrolle und weist uns damit schon wieder den Weg. So fügt sich alles doch zum Guten. Es ist wirklich so: Wenn irgendetwas im Leben geschieht, weiß man oft erst hinterher, ob es gut oder schlecht war. Und gerne trügt der erste Schein.

Wie geht’s bitte vom Flughafen zum Hotel?

Wir lassen uns wie schon erwähnt vom ersten Taxifahrer abschleppen, vermutlich einem illegalen. Oder zumindest halb legal privaten. Seine Devise, die er uns kurz nach dem Start offenbarte, lautete sinngemäß: Wer an einer roten Ampel hält, begeht einen krassen Fahrfehler und hat das System nicht verstanden.

Und so war dann auch sein Fahrstil: Hupen, der Fahrer fährt rechts, fährt links, fährt kreuz, fährt quer, lacht, und sagt: „Autofahren ist wie im Krieg.“ Seltsamerweise fühlten wir uns sicher. Sagt auch meine Frau, die meine eigene Fahrweise sonst eher kritisch hinterfragt. Auf jeden Fall ging’s zügig voran.

Die zeitgleich vorhandene vage Befürchtung meiner Frau, womöglich Opfer einer Entführung geworden zu sein, erwies sich nach einer Stunde Fahrt zum Glück als unbegründet. Wir kamen wohlbehalten in unserem Hotel an, der Fahrer fuhr sogar einen kleinen Umweg, um uns ein schönes Panoramafoto quer über die Felder auf die Pyramiden zu ermöglichen. Vielen Dank dafür.

… und was bitte hat das Taxi gekostet?

Ein Wort noch zu den Preisverhandlungen: Der „illegale“ oder zumindest halb legale „private“ Taxifahrer wollte zu Beginn der Preisverhandlungen 20 Dollar. „Wie viele Euro?“ wollten wir wissen. Antwort: „17″. Ob er wechseln könne? Wir zeigen einen 20-Euro-Schein. Nein, aber 3 € wären als Trinkgeld für ihn durchaus angemessen, meint er. Wie uns scheint, eine erfrischend ehrliche Antwort. Wir handeln ihn auf 15 € herunter und finden selbst entsprechend passende Scheine, letztlich zahlen wir: 15 € für die Fahrt, zwei Euro für den netten Vermittler (das war nämlich gar nicht der Taxifahrer, sondern nur der Touristenabschlepper, mit dem wir gesprochen haben), einen Euro für den Boy, der uns die zwei kleinen, kinderleichten Handgepäckrollies freundlich abgenommen und zum Taxi gerollt hat (großes Gepäck haben wir gar nicht erst mitgenommen), und schließlich noch zwei Euro Bakschisch für den Fahrer, weil er alles so schön erklärt hat und sogar einen Umweg gefahren ist, damit wir ein schönes Foto von den Pyramiden machen konnten. Erstaunlich, wir sind sehr genau bei den prognostizierten 20 € gelandet. Hätten wir gleich nachgegeben, hätte es hinterher aber bestimmt 25 gekostet. Vielleicht Dollar, oder auch nicht, wer weiß das schon?

Jedenfalls erwartet der Araber, dass man mit ihm handelt, sonst ist er nicht glücklich – steht so zumindest im Reiseführer. Und meine Frau sieht das auch so.

Der offizielle Preis für eine Taxifahrt mit einem Hertz-Leihwagentaxi beträgt übrigens 115 ägyptische Pfund (EGP), also etwa 16 €, was aber nicht den Endpreis darstellt, mehr dazu später bei der Beschreibung der Rückfahrt zum Flughafen.

Eines können Sie sich aber jetzt schon merken: Wechselgeld hat prinzipiell keiner parat, auch wenn Sie selbst mit eigenen Augen gesehen haben, wie ihm zwei Minuten zuvor jemand einen Batzen kleine Scheine in die Hand gedrückt hat. Scheint eine allgemein funktionierende Taktik zu sein, die den Gesamterlös eines Geschäfts im Zweifel eher in die Höhe treibt. Der kluge Tourist hat also immer genügend Kleingeld dabei.

Endlich im Hotel

Um 16.15 Uhr kamen wir also im Hotel an und hatten uns eigentlich vorgestellt, die nächste Stunde in der Sonne am Pool zu verbringen. Keine gute Idee. Denn es dauerte erst mal bis 17.00 Uhr, bis wir eingecheckt und unsere Sachen aufs Zimmer gebracht hatten. Da war der Pool schon geschlossen, zu Recht, es war nämlich kühl und windig, definitiv zu kalt zum Baden oder auch um nur in der Sonne zu liegen, die war nämlich auch nicht mehr da – Novemberwetter eben. Um 17.30 war’s schließlich stockdunkel – fast so schlimm wie Zuhause in Deutschland, nur wärmer. Am nächsten Tag sollten wir herausfinden, dass es sich so von 11.00 bis 15.00 Uhr herrlich am Pool liegen lässt, aber da waren wir ja bei den Pyramiden, doch Sonntag haben wir das Sonnenbad nachgeholt und eindringlich genossen.

Der nächste Morgen beginnt ganz heiß …

Der nächste Tag beginnt herrlich, morgens ist es heiß, es ist wunderbar, auf der Terrasse in der Sonne zu sitzen und das Frühstück zu genießen. Da kommt Urlaubsstimmung auf: Es gibt allerlei orientalische Kost: Brötchen mit Schwarzkümmel, Hummus – ein Brei aus Kichererbsen und Sesampaste (Tahina) –, Kichererbsen am Stück, Granateapfelkerne, Joghurt mit Gürkchen, eine Schale mit „Müessli“ (darin befanden sich Haferflocken mit Rosinen im Dialog mit Schlagsahne), süßen Joghurt mit Pistazien und Rosinen (leider sehr lecker: 3 Minuten im Mund, 3 Monate auf der Hüfte), passablen Kaffee (an europäischen Verhältnissen gemessen, für ägyptische hervorragend), arabisches Fladenbrot und natürlich die ganze Palette internationaler Hotelkost (Eier in allen Variationen frisch zubereitet, Speck, Wurst, Käse etc.) – ein großes Büfett für unter 10 €, neben dem Zimmerpreis eigentlich separat zu zahlen. Stand aber hinterher gar nicht auf unserer Rechnung.

… wird fortgesetzt …

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* Der im Schrank eines Hotelzimmers ausgehängte Preis, der oft nicht mit dem Straßenpreis identisch ist. zurück

** Da haben wir uns zwar gedacht, was beim Hinflug links ist, könnte beim Rückflug durchaus rechts sein, wenn der Flieger genau dieselbe Route fliegt. Aber vielleicht ist es ja auch wie auf einer Autobahn mit 4 Spuren und die Pyramiden stehen auf dem Mittelstreifen? Na ja, Logik ist ja nicht immer die Mutter der Porzellankiste, dieses Rätsel konnten wir letztlich nicht lösen – warum, steht wieder oben, aber weiter unten, im Text. zurück

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