/* Google Analytics */

Den Brennpunkt Las Vegas erleben wie einen Ritt über eine Rasierklinge …

9. März 2009 | Von | Rubrik: Amerika
Alles konzentriert sich in Las Vegas dicht an dicht. Nicht nur, dass New York nur einen Block weit von Paris entfernt ist, auch in Paris selbst stößt der Eiffelturm an den Louvre und die Pariser Oper – und direkt daneben steht der Arc de Triomphe. Doch wer genau hinschaut, sieht die Unterschiede. Die „beinahe“ originalgetreue Nachbildung des Wahrzeichens der Stadt an der Seine ist im Maßstab 1:2, und das Kopfsteinpflaster besteht aus Beton, in den nur ein Muster eingeritzt ist.

Alles konzentriert sich in Las Vegas dicht an dicht. Nicht nur, dass New York nur einen Block weit von Paris entfernt ist, auch in Paris selbst stößt der Eiffelturm an den Louvre und die Pariser Oper – und direkt daneben steht der Arc de Triomphe. Doch wer genau hinschaut, sieht die Unterschiede. Die „beinahe“ originalgetreue Nachbildung des Wahrzeichens der Stadt an der Seine ist im Maßstab 1:2, und das Kopfsteinpflaster besteht aus Beton, in den nur ein Muster eingeritzt ist.

LAS VEGAS – Diese Stadt macht alles zu Geld. Als die Amerikaner von 1951 bis 1962 keine 100 Meilen von Las Vegas entfernt ca. 100 Atombomben zündeten, bastelten die Hoteliers daraus eine weitere Attraktion: Sie garnierten Liegestühle auf den Dachterrassen, damit die Gäste die Blitze und Staubwolken der Explosionen bestaunen konnten. Dazu gab’s Atomic-Burger und Bomben-Coctails. Inzwischen will die Regierung kaum mehr als eine Autostunde von Vegas entfernt tief unten im Yuccaberg das größte Atommüllendlager der Welt errichten – für über 70.000 Tonnen radioaktivem Müll im Strahlungswert von etwa 2,3 Millionen Atombomben*. Nicht ohne Charme in der Nähe der Funeral Mountains und des Death Valley. Trotzdem ist Las Vegas mit monatlich 7.000 neuen Einwohnern die derzeit am schnellsten wachsende Stadt in den USA. Sie hat allerdings auch die höchste Selbstmordrate in den USA, darunter auch etwa 1 Tourist pro Monat. Wo viel Licht …

Die Touristen geben sich hier die Klinke in die Hand. Las Vegas ist das beliebteste Reiseziel der Welt (inzwischen liegt es sogar vor Mekka) – vor allem für Amerikaner. Über 37 Millionen zieht es jährlich in die Spielermetropole, darunter „nur“ 13 % Ausländer. Gelegenheit zu zocken gibt es reichlich, die einarmigen Banditen stehen überall, sogar in Supermärkten und Tankstellen, jeder will sich halt ein Scheibchen vom großen Kuchen abschneiden. Die Anzahl der Geräte ist allerdings meist auf 7 Slot Machines begrenzt, mehr dürfen Tankstellen, Supermärkte etc. ohne Aufsicht nicht betreiben.

Wieviel verloren wird …

Insgesamt verzocken alle Touristen im Jahr (die Angaben variieren) 6 bis 8 Milliarden US$, also Pi mal Schnauze etwa 200 US$ pro Nase**. Jetzt wissen Sie also, um welchen Betrag Sie Ihr Reisebudget aufstocken müssen, um durchschnittlich geschoren über die Runden zu kommen. Noch eine Zahl: Insgesamt ließen die Besucher über 33 Milliarden US$ in der Stadt, pro Nase also 900 US$. Natürlich ohne die Kosten für die An- und Abreise, darin enthalten aber Shows, Bett, Sex und Luxusartikel. Die Basis des Geschäfts einst Prostitution und Glücksspiel (beides in Amerika meist, und letzteres offiziell auch in Vegas verboten), verschiebt sich heute mehr in Richtung normaler Touristenbetrieb. Nur noch jeder vierte Dollar kommt direkt aus dem Casino, alles in einem trotzdem noch ein schöner Brocken. Das Spiel kann sich aber trotzdem für einzelne vom Glück begünstigte Zocker durchaus lohnen: 39.713.982 US$ gewann ein 25-jähriger amerikanischer Ingenieur im Excalibur an einem Automaten. Das tut es nicht wirklich weh, wenn der Gewinn in Raten über 20 Jahre ausgezahlt wird.

Früher war es mal feucht hier – und fruchtbar

Las Vegas ist der spanische Name für „The meadows“, gemeint sind Viehweiden, Wiesen oder besser fruchtbare Senken. Hier gab es tatsächlich mal Wasser und fruchtbares Land. Aber das ist lange her. Heute ist es trocken um die Stadt. Schon Anfang Februar scheint draußen schön die Sonne (21 Grad Celsius), man lockt Sie jedoch immer wieder nach drinnen. Draußen will man Sie nicht haben: keine Parks, kein Plätzchen um still, gemütlich und kostenlos zu sitzen. Keine Ruhe. Aber mal ehrlich: Deswegen sind sie auch nicht nach Las Vegas gekommen oder?

Wenn Sie dennoch draußen sitzen wollen, habe ich einen Tipp für Sie. Ein gutes Plätzchen, um einfach nur draußen in der Sonne zu sitzen, ist das Smith & Wollensky, das grüne Gebäude im Kolonialstil mit weißen Bordüren, genau gegenüber dem Monte Carlo. Hier kann man ein Bierchen zischen, ohne dass man gleich das ganze Lokal kaufen muss. Setzen Sie sich hier an einen Tisch, dann lernen Sie vielleicht eine Ingenieurin aus North-Karolina kennen, einen Rolls-Royce-Verkäufer, der schon einmal in Neu Isenburg war, und eine Archäologen aus Kanada, die heute ihr Geld mit der Ausstattung von Haustieren verdient. Die Kommunikation kommt hier keinesfalls zu kurz, auch wenn sich die Geschichte nicht wiederholt und Sie wahrscheinlich völlig andere Leute kennen lernen.

Übrigens, was ganz nett ist: Wenn Sie sich für die Calamari zu 13 US$ entscheiden, finden Sie zwischen den Ringen auch zwei bis drei kleine ganze Tintenfische, die man gut mit der halben Zitrone beträufeln kann, die man in einem Stoffsäckchen gereicht bekommt, das sich gut ausdrücken lässt. Praktisch und stilvoll diese Amis, aber Saucen können wir zu Hause besser.

Wann es am schönsten ist …

Am schönsten, finde ich, ist es, wenn die Sonne gerade untergegangen, aber der Himmel noch hell ist. Es also zu dämmern anfängt. Anfang Februar war das so gegen 17 Uhr 30. Dann zeichnen sich die bunten Lichter wunderbar gegen den Hintergrund ab, und wenn man dann vom Wollensky’s draußen im Freien sitzt und sich ein dunkles Gordon Biersch reinzieht, gegenüber Monte Carlo mit Blick auf New York, sieht man zwei Riesenmonitore mit bunten Bildern vor sich aufblinken. Eigentlich sind es ja nur Werbesports für die Shows, aber dennoch: Die Bilder sind bunt, farbenfroh, sprühen vor Leben. Dazu rauscht im Hintergrund die Achterbahn durch New York, fast pausenlos schweben Flugzeuge oder Hubschrauber am Himmel der Stadt: Las Vegas ist schon eine Riesenshow, das kann man fühlen, da pulsiert das Leben auf hohem Niveau. Leicht wird man berauscht, nicht nur vom Bier … Aber auch vor dem Paris Las Vegas – ein paar Meter rauf auf dem Strip – sitzt es sich draußen recht schön.

Casino und Drinks

Sind Sie auf dem Weg dorthin allerdings erst mal in einem Casino angekommen, gibt es kaum ein Entrinnen: Kein Tageslicht, das Gefühl für Zeit und Raum geht verloren und die Ausgänge sind schwer zu finden. Groß, größer, noch größer. Mehr, noch mehr, immer mehr.

Dazu ein Tipp: Im Casino Royale gegenüber dem Mirage können Sie Margaritas (Lemon + Strawberry) oder Bier für einen Dollar kaufen – ohne dass Sie spielen müssen. Und das ist eigentlich kein schlechtes Geschäft: Denn in anderen Casinos spendiert man Ihnen zwar gerne einen Drink völlig umsonst, aber nur wenn Sie fortwährend spielen und Geld riskieren. Und da Sie erst bestellen müssen und den Drink dann mit Zeitverzug geliefert bekommen, stellt das Casino fast schon automatisch sicher, dass Sie in der Zwischenzeit schon mehr verzockt haben als das Getränk gekostet hätte, hätten Sie es denn statt dessen gekauft. Die sind ja nicht dumm, die Jungs.

Für Casinos gilt als Faustregel: Sind Sie erst einmal drin, kommen Sie schwer wieder raus. Denn Ausgänge sind nicht leicht zu finden. Zum einen sind die Räume extrem groß und unübersichtlich, zum anderen fehlen durchweg entsprechende Wegweiser. Sie finden zwar meist Querverweise zu anderen Hoteleinrichtungen (Bars, Restaurants, Lift, evtl. sogar die Lobby), aber keine echte Hilfe für den Weg nach draußen (stellen Sie sich einfach vor, Sie wären bei IKEA einkaufen, dann haben Sie einen ungefähren Eindruck von der Situation). Eigentlich erstaunlich, wie die übervorsichtigen Amis , die ansonsten auf jede Plastiktüte drauf schreiben, dass man darin ersticken kann, wenn man sie über den Kopf zieht, das mit ihrem Sicherheitsbedürfnis vereinbaren können. Aber Sie haben sich dafür einen Trick ausgedacht, den man bei genauem Hinsehen erkennen kann: Es gibt Notausgänge, in der Regel gleich mehrere Türen nebeneinander, die aber deutlich als alarmgesichert und nur für den Notfall zu öffnen gekennzeichnet sind und somit definitiv nicht als normaler Ausgang „missbraucht“ werden können.

Da staunt selbst Dieter Bohlen

Eine ganz eigene Atmosphäre entsteht im Casino, wenn – um die Spieler zu unterhalten oder abzulenken, wie man’s halt nimmt – halbnackte minderbegabte Sängerinnen (so der subjektive Eindruck), die bei Dieter Bohlens DSDS noch nicht einmal den ersten Durchlauf geschafft hätten, auf erhöhten Holzprotesten ihr Nichtkönnen zum Besten geben – wie z.B. im Rio. Dafür soll dort, so eine Umfrage unter Einheimischen, das beste Büffet in Town zu haben sein. Sie sehen, man muss nur wissen, was man will bzw. was einem wirklich wichtig ist. Und schon wird man bedient.

Grundlegende Casinostrategie

a) von Seiten des Betreibers: keine Fenster nach draußen, überall künstliches Licht (Halbdunkel), kein Tag-Nacht-Rhythmus, keine Uhren, Getränke umsonst, Musik im Hintergrund. Man tut halt alles, damit Sie sich wohl fühlen und nicht auf die Idee kommen, woanders könnte es spannender sein.

b) von Seiten des Kunden: Flüchten? Nicht umsonst lassen die Touristen jedes Jahr 6 bis 8 Milliarden Dollar, also sechstausend bis achttausend Millionen Dollar, als Spielverlust in Las Vegas zurück.

Die Macher im Hintergrund, die Strippenzieher am Strip

Die ganze Stadt ist gigantoman***. Das neueste und (zweit-)teuerste**** Hotel der Welt ist das Wynn Las Vegas. Allein der Punkt hinter dem Namenszug auf der Fassade (siehe Foto) ist so groß wie ein Mensch, leicht lässt sich vorstellen, wie viele Leiber in diesen Schuppen reinpassen. Müssen ja auch, war ja nicht billig der Laden: 2,7 Milliarden Dollar soll er gekostet haben, 2.716 Hotelzimmer gibt es dort, und natürlich auch einen 18-Loch-Golfplatz. Und eine Besonderheit: Sie müssen mit Ihren Koffern nicht durchs Kasino stolpern, um in Ihr Hotelzimmer zu gelangen, eine absolute Ausnahme in der Stadt der einarmigen Banditen. Dafür ist der Wasserfall, den Sie von der Terrasse aus genießen dürfen, nicht echt, sondern auf eine Leinwand projiziert. Allerdings dürfen Sie beim hauseigenen Dealer gleich einen Ferrari oder Maserati kaufen, damit sie sich Wege sparen …

Steve Wynn, 64 und halb blind, ist übrigens einer der Urväter der Casinos von Las Vegas, dann hat er mal kurz nicht aufgepasst und schon hat Großinvestor Kirk Kerkorian***** heimlich so viele Anteile an seinen Casinos (u.a. Bellagio und Mirage) aufgekauft, dass sich Wynn einer feindlichen Übernahme nicht mehr entziehen konnte und sich angeblich für über 6,4 Milliarden Dollar von seinen Häusern getrennt hat (so die inoffizielle Version, die Wynn bestreitet, offiziell war alles ganz friedlich). Natürlich hat Steve Wynn nach diesem Riesenschlag schon sein nächstes Objekt ins Auge gefasst, noch größer, noch gewaltiger. Das ganze Geld will natürlich neu investiert sein. Aber Wynn ist nicht der einzige, der groß plant. Kerkorkian will ein ganz neues Stadtviertel für 4 Milliarden US$ entstehen lassen, und New York Immobiliengigant Donald Trump baut eine Eigentumswohnungsanlage schräg gegenüber dem Wynns. Natürlich alles superriesig …

Aussicht über die Stadt

Ein klassischer Tipp, der immer wieder gerne gegeben wird, ist der folgende: Gehen Sie zum Rio-Hotel (oder lassen Sie sich mit einem kostenlosen Shuttle-Service dorthin bringen), begeben Sie sich im Hotel mittels Rolltreppe in den 2. Stock und fahren Sie von dort aus mit dem Aufzug in den 51. Stock in die VooDoo Lounge. Der Blick über die Stadt ist überwältigend, vor allem in der Dunkelheit. Was aber oft nicht gesagt wird: Wenn Sie vor 20 Uhr kommen, können Sie umsonst hochfahren, danach kostet schon der Fahrstuhl 20 Dollar. Dieses Geld können Sie ja anders gut ausgeben. 14 Dollar davon zum Beispiel für einen Drink in besagter Bar.

Planung, Überblick

Immer ein guter Tipp: Besorgen Sie sich ziemlich bald, nachdem Sie in Vegas aufgeschlagen sind, eines dieser kostenlosen Magazine (z.B. What’s on), das verschafft Ihnen einen ganz guten Überblick über das aktuelle Angebot in der laufenden Woche (Shows etc.). Noch besser, weil Vorfreude ja bekanntlich die schönste Freude ist: Schauen Sie gleich schon mal ins Internet, z.B. in den Las Vegas Reiseführer – hier gewinnen Sie wirklich einen guten Überblick über das Angebot und können sich schon mal zu Hause informieren, das spart Urlaubszeit. Und denken Sie daran: Es gibt zwar über 130.000 Hotelzimmer in der Stadt (fast doppelt so viele wie in New York), aber sie sind durchschnittlich zu 92 % belegt und oft sogar komplett ausgebucht. Können Sie sich ja schnell selbst ausrechnen: Jedes Zimmer ist im Schnitt mit 2,1 Personen belegt, 37 Millionen Besucher bleiben im Schnitt 4 Tage, gäbe es keine Motels und Betten außerhalb, müssten einige Gäste auf der Straße oder im Auto schlafen.

Ein Blick in die gelben Seiten

Haben Sie schließlich ein Zimmer gefunden, schauen Sie mal in die gelben Seiten. „The Best RED Yellow Pages“ – die Sie vermutlich in Ihrem Hotelzimmernachttisch finden – sind eine wahre Fundgrube, auch online unter http://lasvegas.bestredyp.com/ zur Reisevorbereitung nützlich. Gleich zu Anfang auf den ersten Seiten die Hotlines – für alles gibt es eine: neben den anonymen Alkis gibt es die anonymen Narcotics, eine Tabacco User Helpline, die Psychatric Observation Unit, Entgiftungs-Hotline, Suizidverhütungs-Service bis hin zur Hotline bei Vergewaltigungen und Kindsmissbrauch. Dann seitenweise Notfallhinweise, Evakuierungshilfen, ein Notfallplan mit Checkliste für die notfallmäßige Haustierversorgung, Empfehlungen zur Meldung verdächtiger Aktivitäten, Pläne zum Verhalten bei Naturkatastrophen (Flut, Erdbeben, Großbrände) und Terrorangriffen und auch ein beruhigendes Vorwort des Sheriffs, dass zu hören sei, dass Las Vegas ein primäres Ziel für Terroristen sei, und dass das der Preis sei, den man dafür zu zahlen habe, in der großartigsten Stadt der USA leben zu dürfen. Dazu noch jede Menge Stadtpläne, Sitzpläne für die Showtheater und natürlich auch Telefonnummern, z.B. für das Las Vegas Ski & Snowboard Resort mit Snowmaking System für die Zeit vom Erntedankfest bis Ostern.

Hey, wir sind in Amerika …

… wird fortgesetzt …

_______

* Basis des Vergleich: Die Atombombenklasse Trinity, mit der 1945 alles anfing und die es auf eine Sprengkraft von 20.000 Tonnen TNT brachte. zurück

** Andere Quellen nennen einen Glücksspielumsatz von 545 US$ pro Tourist, ergänzende Quellen eine Gewinnspanne von über 50 % im Casinogeschäft, wobei wir wieder bei Ihren verlorenen 200+ US$ wären – im Schnitt. zurück

*** Will auch heißen, Sie werden sich vermutlich die Füße wund laufen, darauf sollten Sie sich schon mal einstellen. zurück

**** Das Burj al Arab, das neue Wahrzeichen von Dubai City, bezeichnet sich selbst als teuerstes Hotel der Welt. Der arabische Turm ist zugleich mit 321 Metern das höchste Hotel der Welt. Im Wettbewerb als teuerstes Hotel der Welt tritt auch noch das „Emirates Palace“ in Abu Dhabi an, es soll 3 Milliarden Dollar gekostet haben, die Zahlen werden allerdings bezweifelt. zurück

***** Sie wissen schon, MGM-Anteilhalter und 10 % von General Motors gehör(t)en ihm auch, (trotzdem) kein armer Mann also. zurück

Tags: , , , , ,

Schreiben Sie einen Kommentar: